Wenn die trockenste Wüste der Welt zu blühen beginn
Eine der trockensten Regionen der Erde verwandelt sich derzeit in ein riesiges Blütenmeer. In der Atacama-Wüste im Norden Chiles sprießen nach außergewöhnlich starken Regenfällen Millionen Pflanzen aus dem sonst nahezu vegetationslosen Boden.
Das seltene Naturphänomen wird in Chile „Desierto Florido“ – blühende Wüste – genannt. In diesem Jahr könnte es besonders ausgeprägt werden.
Jahrelang im Boden – und plötzlich erwacht
Unter der Oberfläche der Atacama befinden sich Samen und Zwiebeln von rund 200 verschiedenen Pflanzenarten. Viele davon können lange Trockenperioden überstehen und warten auf ausreichend Feuchtigkeit, bevor sie keimen.
Genau diese Bedingungen sind nun eingetreten.
Außergewöhnlich starke Niederschläge im Zusammenhang mit El Niño haben Teile der Region regelrecht aufgeweckt. In manchen Gebieten wurden in diesem Winter mehr als 180 Millimeter Niederschlag gemessen. César Pizarro von der chilenischen Forstbehörde CONAF bezeichnete diese Mengen als außergewöhnlich hoch und in dieser Form bislang nicht registriert.
Bis zu 15.000 Hektar könnten blühen
Violette, weiße, gelbe und rosafarbene Blüten breiten sich inzwischen über große Flächen aus. Zu den typischen Arten gehören unter anderem die violette „Pata de Guanaco“ und weiße „Suspiros“.
Nach Einschätzung der chilenischen Behörden könnte die Blüte in diesem Jahr eine Fläche von bis zu 15.000 Hektar erreichen. Ihren Höhepunkt dürfte sie im Oktober erreichen.
Daten & Fakten
Die Atacama zählt zu den trockensten Regionen der Erde.
Rund 200 Pflanzenarten können am Phänomen der blühenden Wüste beteiligt sein.
In Teilen der Region fielen in diesem Winter mehr als 180 Millimeter Niederschlag.
Bis zu 15.000 Hektar könnten 2026 von der Blüte erfasst werden.
Der Höhepunkt der diesjährigen Blüte wird für Oktober erwartet.
Ein spektakuläres Naturschauspiel – mit zwei Seiten
Ausgelöst wurde die außergewöhnliche Blüte durch starke Niederschläge, die mit dem aktuellen El-Niño-Ereignis in Verbindung gebracht werden. Das zusätzliche Wasser drang tiefer als gewöhnlich in den Wüstenboden ein und ermöglichte damit das Keimen unzähliger Samen.
Doch dieselben außergewöhnlichen Niederschläge, die jetzt für spektakuläre Bilder sorgen, hatten in Chile auch schwere Folgen. Starkregen führte im Juli zu Todesfällen und erheblichen Schäden an Tausenden Häusern.
Die blühende Atacama zeigt damit eindrucksvoll, wie widerstandsfähig Natur sein kann. Über Jahre scheint der Boden nahezu leblos – doch unter der Oberfläche wartet ein ganzes Ökosystem auf den richtigen Moment.
Und manchmal reichen wenige außergewöhnlich feuchte Wochen, um eine Wüste zum Leben zu erwecken.
