Earth Overshoot Day: Österreich hat heute alle natürlichen Ressourcen eines Jahres verbraucht
Der Earth Overshoot Day fällt für Österreich dieses Jahr bereits auf den 2. April und markiert den Zeitpunkt, an dem wir die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen eines Jahres aufgebraucht haben. Weltweit liegen wir auf Platz 16. Das ist noch deutlich vor anderen Industriestaaten wie Deutschland und Schweiz. In Deutschland ist der Erdüberlastungstag dieses Jahr am 10. Mai. Würden alle Menschen so viele Ressourcen nutzen wie wir, benötigten wir vier Erden. Es ist sehr besorgniserregend, dass wir anstatt weniger immer noch mehr natürliche Kapazitäten verbrauchen. Der hohe Ressourcenverbrauch ist fatal: Zerstörte Ökosysteme verringern die Artenvielfalt, während die Klimakrise den Druck auf Landwirtschaft, Wasserversorgung und Gesundheit erhöht. Eine Lösung liegt in der Kreislaufwirtschaft.
Earth Overshoot Day schätzt Verbrauch der natürlichen Ressourcen
Das Global Footprint Network errechnet jedes Jahr für den gesamten Planeten und einzelne Staaten, wann die Menschheit das Budget der Natur für das Jahr aufgebraucht hat. Der Earth Overshoot Day ist eine Schätzung und basiert auf den National Footprint and Biocapacity Accounts. Zum Nationale Footprint, der auch als ökologischer „Bedarf“ eines Landes bezeichnet wird, zählt die Fläche, die nötig ist, um den Konsum eines Landes oder der Welt zu decken. Dieser Konsum beinhaltet pflanzenbasierte Lebensmittel und Fasern, tierische Produkte, Fischereiprodukte, Holz und andere Waldprodukte, Fläche für Infrastruktur und Siedlungen und Wälder zur Aufnahme von CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen.
Unter “ Biokapazität“ fallen alle biologisch produktive Flächen und Gewässer eines Landes oder weltweit (z. B. Wälder, Ackerland, Weiden, Fischgründe, bebaute Flächen).
Daher handelt es sich bei dem Datum um einen Näherungswert und nicht um ein genaues Datum. Dennoch geben sie einen guten Hinweis darauf, wie viel größer die menschliche Nachfrage ist als die Fähigkeit unseres Planeten, die gesamte Nachfrage unserer Volkswirtschaften zu decken.
Die Umweltorganisation Greenpeace fordert nach dem diesjährigen schlechten Abschneiden Österreichs einen umfassenden Kurswechsel der Regierung. Melanie Ebner, Greenpeace-Sprecherin erklärt:
“Wenn die jährlich verfügbaren natürlichen Ressourcen schon nach gerade einmal drei Monaten verbraucht sind, ist das ein klares Warnsignal. Derzeit verbauen wir zu viele wertvolle Böden, vergeuden Wasser und verursachen zu hohe Treibhausgasemissionen. Das muss sich ändern. Umweltminister Totschnig muss dringend den Bodenverbrauch begrenzen, ein klares Ausstiegsdatum für Öl und Gas setzen und sich ernsthaft um die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume kümmern. Damit schützen wir nicht nur die Natur, sondern unsere Lebensgrundlage.”

Bild: Global Footprint Network 2026, www.overshootday.org and www.footprintnetwork.org.
Kreislaufwirtschaft wirkt – vor allem im Zusammenspiel
GLOBAL2000 betont in einer Aussendung zum Erdüberlastungstag, dass Kreislaufwirtschaft ein Lösungsansatz sein kann. Die Forschung zeige, dass Kreislaufwirtschaft einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Maßnahmen wie Wiederverwendung, Reparatur oder Recycling reduzieren Energieverbrauch und Emissionen in Industrie, Bau und Konsum.
„So können wir nicht weitermachen. Wir verschwenden Ressourcen, produzieren zu viel Müll und bleiben abhängig von Autokratien und Diktatoren. Es gibt aber eine sehr gute Lösung: Wir schaffen den Übergang zur Kreislaufwirtschaft – weg vom Wegwerfen, hin zum Wiederverwenden, Reparieren und Teilen.“
Anna Leitner, GLOBAL 2000 Ressourcen-Sprecherin
Sozialökologe Dominik Wiedenhofer von der Universität für Bodenkultur hat gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam 76 Studien ausgewertet, die diese Effekte untersuchen: „Kreislaufmaßnahmen allein senken Treibhausgasemissionen im Durchschnitt um 17 Prozent. Im Zusammenspiel mit Energieeffizienz und einer klimaneutralen Energieversorgung steigt das Potenzial auf rund 50 Prozent.“ Die Analyse zeigt auch, dass Kreislaufwirtschaft mehr umfasst als Recycling. „Sie reicht von der Vermeidung unnötiger Produkte bis hin zu neuen Nutzungsmodellen“, so Wiedenhofer weiter.
Ein wirksames Kreislaufwirtschaftsgesetz setzt entlang des gesamten Produktlebenszyklus an:
· Produkte so gestalten, dass sie langlebig, reparierbar und zerlegbar sind
· Bestehende Gebäude nutzen und sanieren statt neu zu bauen
· Geschäftsmodelle begrenzen, die auf schnellen Verschleiß setzen
· Problematische und fossile Stoffe schrittweise ersetzen
· Öffentliche Mittel gezielt für nachhaltige Lösungen einsetzen
Diese Maßnahmen stärken Innovation, reduzieren Abhängigkeiten und schaffen neue wirtschaftliche Chancen, so GLOBAL 2000. Ziel ist es, den Ressourcenverbrauch zu senken und den Welterschöpfungstag wieder Richtung Jahresende zu schieben.
