US-Küsten sinken ab – Satellitendaten zeigen das Ausmaß
Wenn über die Zukunft der Küsten gesprochen wird, steht meist der steigende Meeresspiegel im Mittelpunkt. Doch eine neue Studie zeigt, dass sich an vielen Orten gleichzeitig auch das Land in die entgegengesetzte Richtung bewegt: nach unten.
Forschende haben erstmals die Landabsenkung entlang der Küsten von 20 US-Bundesstaaten in einer einheitlichen Analyse untersucht. Dafür werteten sie mehr als 190 Millionen Messungen der vertikalen Landbewegung aus, die vor allem mithilfe von Radarsatelliten sowie durch Bodenmessungen gewonnen wurden.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: 71,5 Prozent der untersuchten Küstengebiete sinken um mehr als einen Millimeter pro Jahr. Besonders stark betroffen ist die Küste am Golf von Mexiko.
Wenn Meer steigt und Land sinkt
Ein Millimeter pro Jahr klingt zunächst wenig. Für Küstenregionen ist jedoch nicht allein entscheidend, wie stark der globale Meeresspiegel steigt, sondern wie sich Meer und Land relativ zueinander bewegen.
Sinkt der Boden gleichzeitig ab, verstärkt sich der lokal wahrgenommene Meeresspiegelanstieg. Hochwasser und Sturmfluten können dadurch weiter ins Landesinnere vordringen. Gleichzeitig geraten Straßen, Gebäude, Leitungen, Deiche und Entwässerungssysteme stärker unter Druck.
Die neuen Daten zeigen, dass das Problem keineswegs auf wenige besonders gefährdete Orte beschränkt ist. Rund 43 Prozent der untersuchten Küstengebiete sinken um mindestens zwei Millimeter pro Jahr, 23,3 Prozent sogar um mindestens drei Millimeter.
Golfküste besonders betroffen
Die höchsten Absenkungsraten stellten die Forschenden entlang der Golfküste fest. Aber auch an der US-Ostküste ist das Phänomen weit verbreitet. An Teilen der Westküste zeigen die Messungen dagegen auch Gebiete, in denen sich das Land hebt.
Die Ursachen für Landabsenkungen können unterschiedlich sein. Natürliche geologische Prozesse und die Verdichtung von Sedimenten spielen ebenso eine Rolle wie menschliche Eingriffe. Vor allem die Entnahme großer Mengen Grundwasser kann dazu führen, dass sich Bodenschichten verdichten und die Oberfläche langsam absinkt.
84 Millionen Menschen leben in betroffenen Küstenregionen
Die Forschenden untersuchten zusätzlich, welche Bevölkerung und Infrastruktur sich in den betroffenen Gebieten befinden. Demnach leben rund 84 Millionen Menschen in US-Küstenregionen mit unterschiedlichen Graden von Landabsenkung.
Etwa 67 Millionen Menschen leben in Gebieten mit geringer, rund 14 Millionen mit mittlerer und mehr als drei Millionen mit hoher Landabsenkungsgefahr.
Besonders problematisch ist die Entwicklung dort, wo bereits heute eine hohe Gefährdung durch Sturmfluten und Überschwemmungen besteht. Schutzanlagen wie Deiche oder Hochwassermauern werden schließlich für bestimmte Höhen und Wasserstände gebaut. Sinkt das Land, kann sich ihre tatsächliche Schutzwirkung langfristig verändern.
Daten & Fakten
Mehr als 190 Millionen Messpunkte wurden für die Untersuchung ausgewertet.
20 US-Küstenstaaten wurden untersucht.
71,5 Prozent der untersuchten Küstengebiete sinken schneller als 1 Millimeter pro Jahr.
43 Prozent sinken mindestens 2 Millimeter pro Jahr.
23,3 Prozent sinken mindestens 3 Millimeter pro Jahr.
Rund 84 Millionen Menschen leben in Küstenregionen, die von unterschiedlichen Graden der Landabsenkung betroffen sind.
Die stärksten Absenkungen wurden entlang der Golfküste festgestellt.
Ein bislang unterschätzter Faktor
Die Studie macht deutlich, dass die Zukunft der Küsten nicht allein vom steigenden Meeresspiegel abhängt. Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus Veränderungen des Meeresspiegels und Bewegungen des Landes.
Für die langfristige Planung von Städten, Verkehrswegen und Hochwasserschutz bedeutet das: Küstenkarten, die nur den zukünftigen Meeresspiegel berücksichtigen, können das tatsächliche lokale Risiko unterschätzen.
Die Erde verändert ihre Höhe zwar nur um wenige Millimeter pro Jahr. Über Jahrzehnte können daraus jedoch Zentimeter werden – und genau diese Zentimeter können an flachen Küsten darüber entscheiden, wie weit das Wasser bei einer Sturmflut vordringt.
Studie:
Die Untersuchung „High-resolution assessment of coastal subsidence in the United States“ wurde im September 2026 in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht.
