Mit „Wunderwuzzi Pflanzenkohle“ ganz nebenbei zum Klimarettergarten

Liebe Gartenfreundinnen, die Temperaturen der letzten Tage und Wochen haben zu einem frühen Beginn der Gartensaison geführt. Wie viele von euch entweder auf unserer Plattform oder auch in anderen Medien gehört und gelesen habt, erreichten wir letztes Jahr die 1,5 Grad Celsius Marke, auf die sich die Staatengemeinschaft im Pariser Abkommen 2015 als Höchstgrenze weltweit geeinigt hatte. Dies ist sehr bedenklich, weil wir uns auf einem Pfad befinden, der eine Erderwärmung von fast 3 Grad vorhersieht, was für die Menschheit unvorstellbare Auswirkungen hätte – außer wir handeln sofort sehr entschlossen. „Pflanzenkohle“, schreibt der Weltklimarat, „könnte einen bedeutenden Beitrag sowohl zur Eindämmung der Bodendegradation als auch des Klimawandels liefern.“ Der Einsatz von Pflanzenkohle in unseren Gärten und auf unseren Balkonen bietet also neben vielen weiteren Vorteilen auch diesen äußerst wichtigen.

 

Unsere Gärten, unsere Böden, unsere Erden sind immer mehr Stressfaktoren ausgesetzt. Da kommt Pflanzenkohle ins Spiel. Sie kann eine Lösung sein, die noch dazu das Potenzial hat, der Klimakrise entgegenzu wirken, wie auch Andreas Jäger, Mitglied unseres wissenschaftlichen Beirats, immer wieder betont. In unserer Rubrik „klimajäger“ gibt es einige Videos mit ihm zu diesem Thema. Hier findet man das erste Video aus der Serie „Mit Pflanzenkohle die Welt retten“.

 

Was ist Pflanzenkohle?

Pflanzen entziehen der Luft COund spalten es mittels Photosynthese in Sauerstoff O2 und Kohlenstoff C. Mit diesem bauen sie ihre Biomasse auf. Damit das CO2 nicht wieder in die Atmosphäre entweicht, wird es in den Pflanzen durch Pyrolyse (Verkohlung) dingfest gemacht. Die Verkohlung ist ein jahrhundertealtes Prinzip, das sowohl in Südamerika in Tropengebieten zur Herstellung von „Terra preta“ als auch in unseren Breiten zur Produktion von Holzkohle verwendet wurde. Dazu wird organisches Material wie Holz, Pflanzenresten und Abfällen aus der Lebensmittelproduktion bei hohen Temperaturen ohne Sauerstoff thermisch behandelt. Dadurch verkohlt die Biomasse und der Kohlenstoff bleibt darin gebunden – anders als bei Verbrennung oder Verottung, wo er wieder freigesetzt wird. Die Pyrolyse ist ein nachhaltiges, ökologisches Verfahren, sofern es korrekt ausgeführt wird, bei dem keinerlei Schadstoffe freigesetzt werden und reiner Kohlenstoff entsteht.

 

Besondere Eigenschaften der Pflanzenkohle

Schwammstruktur

Die Pflanzenkohle hat ganz besondere Eigenschaften: Ihre poröse Struktur macht sie zu einem ausgezeichneten Speicher für Mikroorganismen, Wasser und Nährstoffe. Ihre Oberfläche ist wie ein Schwamm. So kann sie mehr als das dreifache ihres Gewichts an Wasser aufnehmen.

 

Bodenverbesserung

Pflanzenkohle als Bodenverbesserer, als Terra Preta, ist schon von den alten Kulturen am Amazonas bekannt. „Bei der Terra preta waren die Reste der verkohlten Materialien der Schlüssel, den sonst recht unfruchtbaren Boden langfristig wieder fruchtbar zu machen“, erklärt Gerhard Soja, der am AIT Austrian Institute of Technology und an der Universität für Bodenkultur Wien zu Pflanzenkohle forscht gegenüber DerStandard. „Pflanzenkohle nützt eher Böden, die degradiert sind oder weniger gut Nährstoffe halten können.“ weiß Dominic Woolf von der US-amerikanischen Cornell Universität.

 

Aufgeladene versus ungeladene Pflanzenkohle

Pro Gramm hat Pflanzenkohle eine Oberfläche von rund 300m2! Daher muss man aufpassen: Denn die direkte Anwendung von Pflanzenkohle auf dem Boden kann zu negativen Effekten führen, da sich die Kohle zuerst mit Nährstoffen und Mikrobiologie „aufladen“ muss.

Ungeladene Pflanzenkohle kann für die Aufnahme von Stoffen verwendet werden
  • bei der Bindung von Gerüchen im Zusammenhang mit Stallmist zum Beispiel.
  • Oder wenn man Magerwiesen anlegen will und die bestehende Fettwiese dazu abmagern möchhte. Ungeladene Pflanzenkohle kann dazu verwendet werden, dem Boden gezielt Nährstoffe zu entziehen.
  • Auch bei der Bindung von Schadstoffen in Böden kann ungeladenen Pflanzenkohle eingesetzt werden

 

Aufgeladene Pflanzenkohle für Einsatz im Gartenbereich

Erst wenn die Kohle gesättigt ist, kann sie ihre positive Wirkung im gärtnerischen Bereich entfalten. Daher sollte man Pflanzenkohle immer mit organischem Dünger zusammen verwenden. Die Ureinwohner Brasilien mischten sie zum Beispiel mit Dung. Wir Gärtnerinnen haben zumeist eine eigenen Wunderwaffe: Kompost. Reichert man die Pflanzenkohle damit an, speichert dieses Substrat Nährstoffe und Mikroorganisamen können sich ansiedeln. Viele reichern den Kompost bereits am Komposthaufen mit Pflanzenkohle an, da diese auch den Umwandlungsprozess beschleunigt.

 

Bei Hühnerhaltung

Bei Tieren kann unaufgeladene Pflanzenkohle dem Futter beigemischt werden. Dies hilft Schadstoffe und Bakterien im Darm zu binden, fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere und stärkt ihr Immunsystem.

 

Die Vorteile von Pflanzenkohle

  • Langfristiger Nährstoffspeicher
  • verbessert die Wasseraufnahme und -speicherkapazität des Bodens
  • Speichert CO2 langfristig im Boden
  • Verbessert die Bodenqualität
  • beschleunigt die Humusbildung
  • stabilisiert den pH-Wert
  • fördert mikrobielles Leben
  • verbessert die Gesundheit von Pflanzen und steigert ihre Widerstandsfähigkeit
  • hat eine viele Jahre anhaltende positive Wirkung, weil Pflanzenkohle nur sehr langsam bis gar nicht verwittert

 

Pflanzenkohle selbst herstellen

Wir haben es selbst noch nicht versucht – das steht noch auf unserer To-Do-Liste – aber man soll es selbst recht einfach herstellen können, und zwar mithilfe von einem Erd- oder Stahl-Kon-Tiki. Dies ist ein konischer Behälter, in dem trockene Reststoffe durch kontinuierliches Auflegen von dünnen Schichten auf ein Startfeuer verkohlt werden können.

Infos findet man im Internet zuhauf. Es gibt unter anderem auch den Fachverband Pflanzenkohle e.V. (efvpk.d) und dem Ithaka-Institut (ithaka-institut.org), wo man sich informieren kann.

Die vielen Vorteile von Pflanzenkohle haben uns überzeugt und wir werden dieses Jahr aktiv mit aufgeladener Pflanzenkohle in unseren Beeten und mit unaufgeladener im Komposthaufen arbeiten und sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse, die wir euch natürlich hier weitergeben werden! Eure #Beetschwestern